Ein Abschlussbericht…

Studium in Russland

ein Erfahrungsbericht von der Staatlichen Universität Wladimirs

Für diejenigen unter Euch, die sich für ein Studium in Russland entscheiden wollen, gibt es, bezogen auf die Größe des Landes und dessen Bedeutung, erstaunlich wenige Austauschmöglichkeiten und Partnerhochschulen im Rahmen eines Austauschs der FAU. Nachdem die Studienmöglichkeiten durch die Kooperationen der WISO in St. Petersburg vor zwei Jahren wegfiel, insgesamt nur zwei Studienplätze an der auf Wirtschaftswissenschaften spezialisierten Atiso in Moskau bereitstehen, bei denen Studenten der WISO bevorzugt werden, verbleiben auf dem Wege der Universitätspartnerschaften nur noch die Universität in Ekaterinburg und eben in die Erlanger Partnerstadt.

Wladimir selbst ist mit 350.000 Einwohnern und für russische Verhältnisse eine mittelgroße Stadt in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Moskau. Diese ist zwar etwa 200 Kilometer entfernt und damit in zweieinhalb Stunden mit dem Express oder etwa dreieinhalb Stunden mit dem Bus zu erreichen, was sowohl von Seiten meiner russischen Bekannten als auch aus meiner Perspektive nach einem Jahr in diesem großen Land keine Entfernung darstellt. Die Hauptstadt des Oblasts Wladimir gehört dabei zu den Städten des Moskau umlagernden „Goldenen Ringes“, einer wegen ihrer Architektur und Geschichte besonders sehenswerten Region Russlands. So auch in Wladimir besonders auffällig – die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Uspenski-Kathedrale, daneben das Goldene Tor, welches an dieser Stelle schon als Festung gegen die einfallenden mongolischen Horden stand, die Demetriuskathedrale, der weiße Kreml – die historische Altstadt hat die Montage der Sowjets überlebt und wurde aufwendig restauriert. Dadurch bekommt Wladimir, historisch gesehen eine der ersten Hauptstädte Russlands, in der Innenstadt ein ehrwürdiges Äußeres und auf ihre historische Tradition sind die Wladimirer auch zu Recht stolz.

In der Universitätslandschaft herrscht zur Zeit etwas Chaos. Neben der Umstellung auf Bachelor und Master ist das gesamte russische Hochschulsystem gerade Veränderungen im Bereich der Qualitätsstandards unterworfen. In Wladimir selbst passieren im Zuge dieser Reformen, die auf die Selbstbestimmungsrechte der Hochschulen abzielen, eine Reihe von Veränderungen und Umwälzungen im Hochschulbereich, die bis jetzt noch keinen Abschluss gefunden haben. Eines der großen Ziele ist die Zusammenführung mehrerer Universitäten zu einer großen, deren Dachhochschule anscheinend die von mir besuchte WlGU darstellen wird.

Die WlGU (ein Akronym für Wladimirskij Gosudarstvenij Universitet, also Staatliche Universität Wladimir) besitzt dabei vor allem im Bereich der Mathematik einen guten Ruf und stellt mit etwa 25.000 eingeschriebenen Studenten die größte Universität Wladimirs dar. Das Universitätsgebäude entstammt den sechziger Jahren und wirkt wie ein Plattengebäude. Zu diesem ersten Korpus gehören noch drei weitere, die alle auf einer Art Campusgelände liegen. Zudem gehört noch ein an den ersten Korpus angeschlossener Sportkomplex mit einem Schwimmbad, Boxring, Fitnessstudio und zwei Mehrzweckhallen. Für die Sportler unter Euch gibt es auch noch eine Sportanlage direkt neben den Wohnheimen, Heimstätte der Ringermannschaft Wladimirs und Herberge eines privaten Fitnessstudios.

Das Studienangebot der WlGU ist umfangreich (prinzipiell können hier in der russischen Adaption alle Fachbereiche studiert werden), das Hochschulleben anders als aus Deutschland bekannt. So gibt das russische System einen Klassenverband vor. Als Austauschstudent wählt man meist aus mehreren Jahrgängen das für sich selbst passende Studienangebot aus. Damit springt man zwischen mehreren Jahrgängen hin und her, was einem aber das Kennenlernen vieler Studenten erleichtert. Die Klassenverbände umfassen dabei meist zwischen 10 und 15 Personen, abhängig vom Studiengang. Da das russische System noch keine Präsenzstudienzeit kennt, habe ich zu Prüfungszeiten sogar Menschen getroffen, die ich im Semester noch gar nicht kennengelernt habe. In Sachen Seminar- und Vorlesungsquantität unseren Studiengängen überlegen, muss man bei de Qualität Abstriche machen. Die individuelle Pünktlichkeit der Professoren und Studenten wirkt in den ersten Wochen noch befremdlich, Referate werden meistens während des Seminars geschrieben, Powerpointpräsentationen sind noch eine Seltenheit, Prüfungen kann man meistens mit Sitzscheinen oder gutem Willen bestehen und sie sind im Vergleich außerordentlich leicht, wenn man ein deutsches Studienniveau in Umfang und Intensität als Maßstab annimmt. Des Weiteren ist man gezwungen Russisch zu sprechen, da nur ganz wenige Studenten mehr als ihren Namen auf Englisch sagen können, was allerdings auch wieder Vorteile für den Spracherwerb darstellt. Mein Wohnheimsmitbewohner, der nur ein Jahr Russisch an der Uni gelernt hatte und eigentlich auch am Ende seines Semesters kein Russisch verstand, hat alle Klausuren bestanden und auch so viel Spaß gehabt – also auch mit geringen Kenntnissen der Landessprache ist das Bestehen von Prüfungen prinzipiell möglich.

Ein besonderer Vorteil sind die Betreuer im Internationalen Büro der Universität. Unter der Leitung von Nadezhda Troshina, die hervorragend Englisch spricht, kann man alle alltäglichen und speziellen Probleme vortragen und auf eine zeitnahe Lösung hoffen. Im Ernstfall begleiten einen die Koordinatoren dann auch in ein Krankenhaus oder zu den Wohnheimsleitern, um Verträge zu besprechen. Von den Mitarbeitern des Internationalen Büros werden auch die Kurse der russischen Sprache durchgeführt, die pro Tag vier Stunden andauern, aber zu Gunsten von Universitätsseminaren nicht zwangsweise besucht werden müssen. Dabei ist zu beachten, dass diese Kurse für alle anderen Teilnehmer 135€ kosten – ich habe durch das Pochen auf die Verträge zwischen der FAU und der WlGU allerdings nichts bezahlen müssen. Die Sprachkurse haben dabei Umgangssprache, Text- und Hörverstehen sowie Grammatik zum Inhalt. Wenn man sich entscheidet sowohl die Universität als auch die Sprachkurse zu durchlaufen, muss man bei einem Seminar in der Universität zusammen mit dem Sprachkurs und Hausaufgaben etwa acht Stunden Reinarbeitszeit pro Tag rechnen. Zusätzlich zum Nachlernen, was man als Nichtmuttersprachler am Anfang benötigt, um sich im Alltag verständlich zu machen, kann man wohl etwa zehn Stunden am Tag für Studien und Sprache veranschlagen – muss dies aber nicht.

Wohnen in Wladimir kann auf zwei mir bekannte Arten ermöglicht werden. Die klassische ist wohl, sich in einem vier Minuten von der Universität entfernten Wohnheim einzumieten. Hierbei hilft das Internationale Büro bei der Vermittlung. Wohnheimsplätze sind dabei garantiert, allerdings hatte ich bis zu meiner Ankunft noch keine feste Zimmernummer und war mir im Unklaren darüber, ob ich überhaupt einen Schlafplatz bekommen werde – hierbei muss man aber einfach auf die zuständigen Mitarbeiter der Universität vertrauen. Die zweite Möglichkeit ist das Anmieten einer Wohnung in Wladimir. Die Preise dafür beginnen ab 150€, für ein reines Einzimmerapartment vielleicht noch etwas weniger. Dazu vielleicht noch ein paar Worte: Russische Wohnheime sind gewöhnungsbedürftig! Erstens schließen sie 24.00 und öffnen erst wieder 6.00 morgens. Dieses System kann durch einen guten Kontakt zu den „Wächtern“ des Wohnheims, zumeist ältere Damen, die ihre Rente etwas aufbessern wollen, umgangen werden – was allerdings etwas Zeit und Kenntnisse in der Landessprache erfordert. Zweitens werden alle Aktivitäten im Wohnheim durch Kameras und weitere Wächter auf den jeweiligen Etagen überwacht – Besuch dabei bis 22.00 und nur mit Anmeldung, Anmeldung für die Waschmaschine und die Wäschekammer, der meist einzige Fernseher im Wohnheim steht auch bei den Wächtern in einer Art Vorzimmer der Etage. Drittens befinden sich die einzigen Duschmöglichkeiten im Wohnheim im Erdgeschoss. Beachtet man dabei, dass die Etagen für besondere Ausländer, Russen oder Leistungssportler die Etagen sieben bis neun beanspruchen, kann der Gang zur Dusche durchaus ein weiter sein – zumal der Lift eher nach einer Art göttlichem Zufallsprinzip funktioniert. Viertens gibt es keine Einzelschlafplätze und Einzelzimmer. Bei einer normalen Auslagerung der Wohnheime hat man mindestens einen Zimmernachbarn – dabei befindet man sich logischerweise in Zwei- oder Dreibettzimmern. Ein Waschbecken, eine Toilette und eine Abstellkammer sind dabei einem Zusammenschluss aus Zwei- und Dreibettzimmer zugeordnet, so das man sich diese Räumlichkeiten mit maximal vier Personen teilen kann. Fünftens ist Wohnheim nicht gleich Wohnheim. Die Wohnheime, in denen ausschließlich russische Studenten wohnen, sind sehr viel schlechter organisiert aber teilweise wohnlicher als das Wohnheim, welches für mittelfristige Gäste, also deutsche Studenten bereitsteht. In diesem speziellen Wohnheim für Ausländer und Russen, die es sich leisten können, dort zu wohnen, ist es sauberer, aber auch teurer und strenger. Ein anderer Aspekt des Wohnumstandes ist, dass man im Wohnheim nicht zwingend mit Russen in Kontakt kommt. Meine Mitbewohner waren (der Reihe nach geordnet) ein türkischer Masseur, ein französischer Sprachstudent und ein österreichischer Ingenieur – logischerweise konnte ich im Wohnheim selbst mein Russisch kaum verbessern. Dafür sind die Wohnheime mit allem bestückt, was man für den Anfang benötigt – in der gemeinsamen Küche steht die Waschmaschine, ein Kühl-Tiefkühlkombigerät, zwei Öfen mit jeweils vier Herdplatten, zwei Abspülbecken und gemeinschaftlich genutztes Geschirr sowie Töpfe, Pfannen, etc. Eine Grundausstattung befindet sich also bereits dort, für ausgefallene Sachen sollte man sich im Sparmarkt, im Globus oder in einer Haushaltsabteilung im nahegelegenen Megatork noch zusätzlich ausstatten. Die Zimmer sind pro Person ausgestattet mit einem Schreibtisch, einem Stuhl, einem Kleiderschrank, einem Bett mit dazugehörigem Equipment (hier wird die Mitnahme von Bettwäsche empfohlen). Für das Internet benötigt man ein klein wenig Glück und Ausdauer. Zwar gibt es in der Universitätsbibliothek kostenlosen und schnellen Internetzugang, jedoch sind die Bibliotheksöffnungszeiten nicht mit unseren vergleichbar. Weiterhin sind die Computerarbeitsplätze begrenzt, so dass nicht garantiert ist, dort arbeiten zu können. Im Wohnheim sollte man den Administrator nach einem Zugangskabel oder im Internationalen Büro nach Hilfe fragen. An der Universität werden Internetzugänge gegen eine monatliche Gebühr vergeben – die Tarife staffeln sich dabei nach Umfang und Volumen von 7,50-13€ und gewährleisten eine stabile Verbindung. Von den in Russland momentan modernen UMTS-Sticks wird dringend abgeraten, da die populären Anbieter (Beeline, MTS, Megafon) keinen stabilen Datenstrom garantieren und mit extrem langsamen Verbindungen ihren Anwender entnerven.

Bei der Alternative zum Wohnheim, der eigenen Wohnung in Wladimir, ist die Ausstattung natürlich Verhandlungssache und man muss für sich entscheiden, was man benötigt, weshalb ich darüber hier relativ wenig schreiben kann und will. Nur ein paar Grundgedanken, warum ich ein Jahr lang im Wohnheim gelebt habe: a) man erlebt immer etwas und kann jederzeit mit irgendwelchen Studenten etwas unternehmen oder bequatschen b) damit ist man automatisch Teil einer etablierten Gemeinschaft – bei Problemen jedweder Art hilft diese c) die Wahrscheinlichkeit auch auf Studenten mit Kenntnissen der englischen Sprache zu stoßen, steigt exponentiell d) hohe Fluktuation – nirgendwo lernt man so schnell so viele Leute kennen, wie im (internationalen) Wohnheim e) Bequemlichkeit – man muss nichts organisieren außer die monatliche Überweisung, da alle überlebenswichtigen Dinge vorhanden und in der Nähe sind f) Nähe – sowohl zur Universität als auch zur nächsten Einkaufsmöglichkeit in weniger als einer Zigarettenlänge. Die Vorteile einer eigenen Wohnung kennen alle selbst, die Wohnverhältnisse im Wohnheim wurden hier nur so ausführlich geschildert, damit der interessierte Leser eine Beschreibung dessen bekommt, was er erwarten muss/darf.

Neben der Universität stehen einem eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung. Ob es das universitätseigene Schwimmbad, Fitnessstudio, das Grillen mit Freunden und Bekannten am Wohnheimsgelände oder in den verschiedenen Parks in und um Wladimir, das gemeinsame Warcraftspielen mit Studienkollegen über das Wohnheimsnetzwerk, der Besuch eines der zahlreichen Museen oder Einkaufsgeschäfte ist – in jeder Jahreszeit bietet Wladimir die Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Bei Planungen mit russischen Studienkollegen sollte man sich anfangs nicht frustrieren lassen. Mit dem deutschen Verständnis von Pünktlichkeit ärgert man sich hier oftmals, wenn man selbst zu unflexibel geplant hat. Die Devise heißt also organisieren und sich aufs Weggehen freuen, aber immer auch einen Notfall- und Lückenfüll-Plan im Hinterkopf behalten.

Wladimir selbst ist durch seine Lage optimal geeignet um Tages- oder Wochenendausflüge nach Moskau oder St. Petersburg zu unternehmen, Nach Moskau kann man wie bereits angesprochen per Bus oder Bahn praktisch zu jeder vollen Stunde fahren. Mach St. Petersburg eignet sich am besten der Nachtzug. 22.30 in Wladimir abfahrend, entsteigt man 9 Uhr des nächsten Tages der wunderschönen einstigen Hauptstadt an der Newa. In näherer Umgebung eignen sich Suzdal, Murom und Gus-Chrustalnij (im Sommer und mit Badesachen besonders schön) für Tagesausflüge, dem vier Stunden entfernten Nischnij Nowgorod sollte man eher ein ganzes Wochenende widmen.

Was bleibt für mich nach einem Jahr Russland? Die Erkenntnis zahlreiche neue Bekanntschaften und Freude in und aus aller Welt gefunden zu haben, eine unerschütterliche von russischer Bürokratie gestählte innere Ruhe, die Sprachkenntnisse aus über 400 Stunden Sprachunterricht, neue Wege, Zugangsweisen und ein tiefes Verständnis zu und für einer Kultur, die uns Westeuropäern wohl anfangs schwer verständlich, aber bereichernd ist und das gute Gewissen etwas für die Kooperation der beiden Partnerstädte Erlangen und Wladimir getan zu haben.

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EInen guten Rutsch und nur das Beste für das neue Jahr.

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Ein kleines Rechenbeispiel zur Rolle der Intelligenz in Russland.

Bevor der größere Artikel über die Wahlen in Russland und unserem Trip nach Nischni Nowgorod erscheint hier noch ein kleines Rechenbeispiel zur Rolle (und dementsprechend auch der Bezahlung) der Intelligenz in Russland.

Russland in den 30er Jahren – man benötigte Spezialisten für den “Aufbau des Sozialismus”:

Existenzminimum: 110 Rubel

Stipendium für Studenten: 175 Rubel

Gehalt eines Professors: 1500 Rubel

Russland in den 80er Jahren – am Vorabend des Aufstands der Sowjetrepubliken:

Existenzminimum: 80 Rubel

Stipendium für Studenten: 40 Rubel

Gehalt eines Professors: 500 Rubel

Russland 2011:

Existenzminimum: 6500 Rubel

Stipendium für Studenten: 1500 Rubel

Gehalt eines Professors: 20000 Rubel

Bei einem derzeitigen Stand von 1 EUR = 41.6933 RUB (Stand 17.12.2011)  haben Studenten hier also knapp 36€ zur Verfügung, bei einem Existenzminimum von 156€. Das schlimmste ist eigentlich, dass alle staatlich finanzierten Berufe chronisch unterfinanziert sind. Ein Lehrer in einer russischen Dorfschule verdient 4000 Rubel, das entspricht 96€ und liegt damit unter dem Existenzminimum trotz einer regulären und hochqualifizierten Arbeitsstelle (die Lehramtsausbildung ist an ein Studium gebunden). In Deutschland liegt das Existenzminimum (nach dem Existenzminimumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2006) für einen Alleinstehenden bei genau 595€ im Monat – das entspricht 24800 Rubel.

Und wie auch immer man es dreht – 70% der Menschen arbeiten nach ihrem Studium nicht in ihrer Studiumsrichtung, knapp 80% der ausgebildeten russischen Ingenieure arbeiten aus mangelnden Arbeitsplätzen und Gehalt nicht als Ingenieur,  die Doktoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter haben einen Verdienst von etwa 150€/Monat, die Studenten, haben gar keine Zeit für ihr Studium, weil sie für ihr Essen arbeiten müssen – Bildung in Russland ist eine traurige Angelegenheit.

Bis neulich

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Nur noch ein Nachtrag – ein Teil meiner Klassenkameraden in diesem Semester.

Hallo ihr Liebe,

ich konnte dieses wie auch letztes Semester den Vorteil genießen, aus dem Kursangebot die Veranstaltungen zu wählen, die für mich interessant sind. Das sind meine Klassenkameraden, mit denen ich “Geschichtsmethodik und-didaktik” und “Russische Geschichte im 20. Jahrhundert” belegt habe.

Meine Klassenkameraden (Kommilitonen kann man in Russland nur schwer sagen) im Fach “Geschichtsmethodik”. Die Frau in der Mitte mit dem eindringlichen Blick ist  meine Professorin für Didaktik.

Am gleichen Tag als diese Foto entstand, hatte ich gerade einen Vortrag gehalten – “Wie unterrichtet man mit Comics im Geschichtsunterricht”. Damit hatte ich am Anfang Lacher, am Ende Respekt auf meiner Seite. Hochwertige Comics, die sich nicht nur mit Superhelden oder Elementen der Funnies beschäftigen, sind hier rar gesät. Gute russische Comics existieren nicht und damit einhergehend auch keine Tradition des Comiczeichnens wie bspw. im franko-belgischen Raum oder in Japan. Daher gibt es auch noch keine didaktischen Untersuchungen. Die Methode ist gänzlich unbekannt.

In Russland hat die “Sessia” (Prüfungszeit) begonnen und ich bin einer der glücklichste Menschen an unserer Uni – ich muss keine Prüfungen ablegen, da ich bereits alles in Deutschland absolviert habe, was ich für einen Abschluss brauche.

In dem Sinne bis bald und neulich

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Gus-Chrustalny – Гусь-Хруста́льны

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich eine weitere Stadt aus dem Oblast Wladimirs vorstellen: Gus-Chrustalny. Einer meiner guten Freunde und Klassenkameraden wohnt hier, ich hatte bereits seit Ewigkeiten versprochen, dass ich ihn besuchen werde und so habe ich mich vor zwei Wochen 60 Kilometer von Wladimir entfernt, um mein Versprechen einzulösen. Es war ein Besuch der ersten Kristallmanufaktur Russlands, deren Produktion der Stadt ihren Namen gab (übersetzt heißt der Name der Stadt “bleikristallene Gus”, wobei Gus der angrenzende Fluss (auch hier existiert eine Übersetzung: “Gans”) ist).

Die Stadt ist mit ihren etwa 60.000 Einwohnern eher ein russisches Großdorf, daher sind die Sehenswürdigkeiten auch schnell besichtigt – das Ufer des direkt in der Stadt gelegenen Sees und die russlandweit bekannten Ausstellungsräume der Kristallfabrik. Und das war es eigentlich auch schon in der etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts gegründeten Stadt des Goldenen Rings. Es sei denn, man möchte den  Tag noch mit einem aus Gus-Chrustalny stammenden Bier ausklingen lassen – dann kann man vielleicht noch eine Stunde an den Aufenthalt anschließen.

Als nächstes folgen ein paar Impressionen aus Gus, dem Kristallmuseum, den historischen Wohnanlagen der Arbeiter und meinem Freund Wowa und mir.

Im Ausstellungsraum des Kristallmuseums, welches ehemalige Produkte zurückgekauft hat oder zu Ausstellungszwecken geschenkt bekam.

Wowa und ich beim Begutachten und Abfotgrafieren der Rarheiten. Die zu diesen Zeiten innovativen Verfahren zur Färbung von Kristallglas machten das Produkt so gefragt.

Das Museum beherbergt auch das überregional bekannte Gemälde “Das jüngste Gericht” von W. Wasnezow, ein weiteres Highlight des Museums.

Am Ufer des zugefrorenen Gus – im Sommer durch den künstlich geschaffenen Strand Ausflugsziel für Touristen.

Die damalige Unternehmerfamilie Мальцева, die die Kristallfabrik aufbaute, legte Wert auf soziale Strukturen und Arbeitsbedingungen. Ungewöhnlicherweise ließ sie große und moderne Siedlungsräume und- gebäude schaffen. Noch heute sind sie die am besten gedämmten Gebäude der Stadt.

Die am Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellte Georgskathedrale stellt ein weiteres zentrales Prunkgebäude der Stadt dar. Leider schneite es zu diesem Zeitpunkt bereits so stark, dass das  Fotografieren nicht mehr möglich war.

Die Kristallmanufaktur existiert übrigens immer noch. Nach vielen Besitzerwechseln und dem Kommen und Gehen ausländischer Investoren erzielt der Betrieb allerdings nicht mehr den Umsatz, den er erzielen müsste, um konkurrenzfähig zu sein.

Um das Kristallmuseum streitet sich heute die orthodoxe Kirche – die Ausstellungsräume befinden sich auf dem ehemaligen Besitzgrund der Institution. Nun fordern sie vehement ihr Eigentum zurück. Niemand weiß also, wie lange das Museum in dieser Form noch zu sehen sein wird.

Wenn ihr Lust auf Gus bekommen habt – fahrt im Sommer und verbindet das Angenehme mit dem Interessanten.

Der nächste Bericht wird sich mit den Staatsdumawahlen und den nachfolgenden Demonstrationen sowie der fünftgrößten Stadt Russland beschäftigen. Hier noch der Link zu Gus-Chrustalny.

Bis neulich

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Eiszeit…

Es wird langsam kälter – letzte Woche waren morgens bereits -16°, im Moment ist es noch erfreulich warm (-4° und sonnig), aber das Eis der letzten Wochen ist geblieben. Teilweise 10cm dick und gefährlich, da kaum gestreut wird.

Bis neulich

Philipp

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Treffen mit Prorektor Mosin.

Durch Peter Steger vermittelt, erfolgte heute mein Treffen mit dem Prorektor der Staatlichen Universität Wladimir. Das Thema: Meine Erfahrungen in Russland mit dem russischen Universitätssystem und die Verbesserung des studentischen Austauschs zwischen den Partneruniversitäten FAU Erlangen-Nürnberg und der WlGU. 

Prorektor Mosin und ich in seinem Büro an der WlGU.

Dabei war mein Anliegen natürlich über meine Zeit in Wladimir zu erzählen und aus persönlichem Interesse nach dem Entwicklungsprozess der Bachelor- und Masterstudiengänge in Russland zu fragen. 

Sein Anliegen lag neben dem persönlichen Kennenlernen eines Austauschstudenten aus Deutschland darin, zu wissen, wie man den Studentenaustausch verbessern kann. 

Wir gingen damit auseinander, dass es natürlich die Aufgabe der Studenten ist, ihre Erfahrungen in Russland in Deutschland zu kommunizieren, aber auch vermehrte Bemühungen der WlGU unternommen werden sollen, um ausländische Studenten auf Wladimir aufmerksam zu machen. Was er vorschlug, war ein Film, der von der Universität Wladimir produziert werden soll und  in deutscher und russischer Ausfertigung Studenten in Russland und Deutschland auf die jeweiligen Universitäten aufmerksam machen soll. Vielleicht werde ich darin noch eine Rolle spielen…

Hier aber eine kleine Auflistung der Pros und Contras eines Studiums an der WlGU:

Pro:

– kleine Klassen mit familiärer Lernatmosphäre

– große Unterstützung durch die Koordinatoren aus Erlangen und aus Wladimir

– Unterstützung bei den organisatorischen Vorbereitungen (Visa, Einladung, etc.)

– kleine Sprachkurse (teilweise Einzelunterricht, Gebühren abhängig von Häufigkeit 

– internationales Umfeld im ausländischen Studentenwohnheim

Contra:

– Sprachbarriere größer als in anderen Staaten, da auch Englisch so gut wie nicht gesprochen wird

– kein flächendeckendes Stipendiensystem, keine Unterstützung durch den zentralen DAAD (wenn, dann durch dezentrale DAAD-Promos-Stipendien)

– die Universität erfüllt vor allem was die Motivation der Studenten, die Infrastruktur und die Bibliotheksausstattung angeht keine west- und mitteleuropäischen Standards

Und um die Uni in Deutschland bekannter zu machen, wird wohl noch etwas Arbeit erforderlich sein – ich werde mich wohl irgendwann um den Wikipedia-Artikel kümmern.

Bis neulich

Philipp


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St. Petersburg

Erbaut auf einem Sumpf an der Mündung der Newa, erbaut unter menschenunwürdigen Anstrengungen, erdacht als Hafen zur westlichen Welt, das Venedig des Nordens, Heimat von Anna Achmatowa, Alexander Blok, Joseph Brodsky, Fjodor Dostojewski, Nikaolai Gogol und Alexander Puschkin, mit fast 5 Millionen Einwohnern (Stand 2010) zweitgrößte Stadt Russlands und damit Neben Moskau die Touristenstadt, da man auch teilweise auf englischsprachige Russen und andere Touristen trifft – eine Reise nach St. Petersburg.

Wege nach St. Petersburg (Санкт-Петербург, Kzf. Питер)

Wie so viele Dinge in Russland läuft alles über Moskau – was hierbei heißt, dass man entweder von Wladimir über Moskau (per Bus oder Zug) oder im Nachtzug direkt von Wladimir bis St. Petersburg fährt. Wir wählten die zweite Variante und erlebte eine Nachtfahrt in einem Ambiente, dass man sonst eher aus James Bond-Filmen kennt – Nachts, dampfende Züge, einsame Schaffner, Schlafwagen.

Meine Reisebegleiter: Wojtech, Austauschstudent aus Tschechien, und mein Mitbewohner Alex aus Österreich im Schlafwagen des Nachtzugs nach St. Petersburg.

Und von Anfang an ein kleiner aber ernst gemeinter Rat: Kauft eure Tickets niemals zu spät! Sonst ereignet es sich, dass ihr oben schlafen müsst. Oben schlafen heißt bei einem Zug voller Menschen, dass man nach ein paar Stunden Fahrt und durchschnittlicher Zugtemperatur von 27° schlecht schläft. Rumwälzen funktioniert auf Grund des Platzmangels leider auch nicht, aber man kann die rabenschwarze Nacht und das Gefühl der Reise genießen.

In St. Petersburg ankommen hieß für uns dann auch Suche nach Kaffee und erste Rundgänge auf dem Newski Prospekt, der Pracht- und Einkaufsstraße der Stadt am Meer. St. Petersburg ist, wie schon auf der Karte ersichtlich umgeben und durchzogen von Kanälen und vom Meer, wenn man den Kreuzer “Aurora”, dem Ort des Beginns der Revolution, besichtigen will, kann man dies problemlos zu Fuß bewerkstelligen. Auch die großen Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Hauptstadt lassen sich mit etwas Zeit zu Fuß erreichen. Und so waren wir den ersten Tag ausschließlich per pedes am Fotografieren, Besichtigen, Suchen und Erkunden.

Einer der vielen zentral gelegenen Kanäle direkt in der St. Petersburger Innenstadt.

Der Kreuzer “Aurora”

Peter-und-Paul-Festung. Grabstätte der letzten Zarenfamilie.

Und wir fanden das Ende des Regenbogens. Wie man sieht wartet dort kein Goldtopf, eher die Ehe…

Das wahrscheinlich coolste Fitnessstudio der Welt. Zumindest eines der imposantesten.

Der Winterpalast aufgenommen vom Palastplatz. Hier befindet sich die Eremitage.

In der Eremitage.

Die Auferstehungskathedrale nach Vorbild der Moskauer Basilius-Kathedrale.

Der Newski Prospekt bei Nacht.

Was man noch beachten sollte…

St. Petersburg ist eine sehr teure Stadt, daher sollte man frühzeitig nach Schlafgelegenheiten suchen (ist irgendwie ähnlich wie mit den Zugtickets). Wir haben in einem Hostel namens “Eurohostel” übernachtet – ein Zimmer, 5, zeitweise 6 Betten, mit 12 Schlafplätzen. Vielleicht waren die 7,50€ pro Nacht etwas zu günstig;)

Allgemein sind drei Tage, die Zeit, die wir in St. Petersburg verbrachten, eindeutig zu wenig. Wojtech hat es genau richtig gemacht – er verbrachte noch eine Woche länger in St. Petersburg als Couchsurfer und trampte anschließend nach Hause.

Für alle die zweifeln, ob sie Питер besuchen wollen… Macht es am besten im Sommer, wenn die Brunnen in Betrieb sind und die Stadt durch die vielen Touristen noch internationaler wirkt.

Viel Spaß in St. Petersburg – ich war begeistert.

Bis neulich…

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It´s on…

Die Fakten: -1° C, nachts -7°, es schneit bereits den ganzen Tag, der Winter hat Russland erreicht und ich berichte live von der Front.

Wünscht mir Glück und bis neulich:-)

 

 

 

 

 

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Was bisher geschah…

Hallo ihr Lieben,

ich war relativ lange abstinent, zumindest was das Schreiben anbelangt. Dafür bin ich ein bisschen in Russland herum gekommen. Darunter waren unter anderem ein Abstecher nach St. Petersburg, ein Besuch in der Tretjakowski Galerie, ich war in der Eremitage, habe Halloween in Russland gefeiert und meine Zulassungsarbeit fortgesetzt und da all das seine Spuren hinterlassen hat, bin ich mittlerweile krank und habe wieder Zeit, mich meinem Blog zu widmen.

Heute möchte ich über meinen Besuch in der Tretjakowski Galerie berichten. Dieses weltweit bekannte Museum wurde von Павел Михайлович Третьяков (1832-1898) einem Kunstsammler, Händler und Mäzen gegründet, der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts begann Gemälde und Kunstgegenstände zu sammeln und auszustellen. Die Sammlung konnte anfänglich noch im Haus Tretjakowskis besichtigt werden, das in der Lawruschenski pereulok beheimatet war. Nachdem der Mäzen seine Sammlung 1892 der Stadt Moskau vermachte, eröffnete diese das Museum der Pawel und Sergej Tretjakow Stadt-Galerie in der Lawruschinski-Gasse, in einem alten Stadtteil Moskaus namens Samoskworetschje. Hier kann das Museum immer noch besichtigt werden. Die dazu gehörende Metro-Station heißt auch freundlicherweise Tretjakowskaja.

Heute umfasst die Ausstellung etwa 140.000 Ausstellungsstücke, darunter ca. 15.000 Gemälde und über 100.000 Zeichnungen. Doch genug mit von blanken Fakten – was hier zählt, sind ja schlussendlich Impressionen und damit möchte ich ein paar Fotos online stellen, vorrangig von den Dingen, die mich besonders beeindruckt haben.

Hier der typische Aufbau – ein Zimmer sortiert nach Künstler, Epoche oder Motivik. Dazwischen immer wieder Sitzgelegenheiten (das nur erwähnenswert, weil man in der Eremitage beispielsweise keine hat)  und Skulpturen.

 

Iwan der Schreckliche in Skulptur.

In den Ausstellungsräumen der Realisten.

Was man beachten sollte:

Plant für die Galerie einen kompletten Tag ein -wenn es reicht. Je nachdem wie stark euer Interesse ist und ob ihr das Museum nur auf eurer Sightseeing-Liste abhaken wollt oder zu wissenschaftlichen Zwecken anreist, staffelt sich natürlich auch die zu veranschlagende Zeit. Ich habe es an einem Samstag in fünf Stunden geschafft – allerdings auch nur als Tourist.

Wenn möglich Spiegelreflexkamera mitnehmen. Die Räume sind teilweise so schlecht beleuchtet, das alle anderen Kameratypen mit der Belichtung oder Verschlusszeit Probleme bekommen.

Kunst und Kultur ist in Russland teuer. Als deutscher Staatsbürger (es sei denn man sagt nur ein paar Worte auf Russisch und zeigt seinen Studentenausweis einer russischen Universität, wie bei mir) bezahlt man für Eintritt und Fotoerlaubnis mehr als 15 Euro.

Was ist daran so besonders? Eines der größten und berühmtesten Museen Russlands. Kombinierbar mit einem Wochenende in Moskau. Direkt in der Innenstadt gelegen, d.h. der Rote Platz ist zu Fuß in 10 Minuten erreichbar. Von Wladimir ist man innerhalb von 3 Stunden dort (Expresszüge fahren 7.30 nach Moskau und 18.30 zurück).

Ich hoffe, dass ich Euch in bisschen Lust auf Kultur in Moskau und Russland vermitteln konnte und werde wohl das nächste Mal über St. Petersburg schreiben.

Gehabt Euch wohl und bis neulich

Philipp

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